Welchen Wert hat Design?

Gestern war es auch in Berlin soweit: Die Designexperten Professor Dr. Peter Zec und Burkhard Jacob, Leiter des red dot institutes, stellten ihre neu entwickelte Methode zur ‚Berechnung des Wertbeitrages des Designs für das Unternehmen’ vor. Titel der Veranstaltung: „Der Designwert – Eine neue Strategie der Unternehmensführung“.

Der Veranstaltungsort hätte nicht passender gewählt werden können. Das Stilwerk in der Berliner Kantstraße, Berlins Designtempel, dient an diesem Abend auch als Argumentationsstütze für den wissenschalftlichen Bewertungsansatz der beiden Designexperten. Die beiden Referenten kommen schnell zum Punkt: Welche Größen werden wie und warum zur Berechnung des Designwertes herangezogen.

In der Pressemitteilung des ret dot institutes liest sich das wie folg:

„Der Designwert ist der zu einem bestimmten Zeitpunkt festgestellte monetäre (Gegenwarts-)Wert, der sich aus dem designrelevanten Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT), der Designstärke, der Designkontinuität und einer Bewertung des Designeigentums eines Unternehmens ergibt.“

Die Berechnungsformel lautet also:

Designwert = [Designertrag x (Designstärke + Designkontinuität)] + Designeigentum

Alles klar?! Ziel dieser mathematischen Übung: Unternehmern soll verdeutlicht werden, dass gutes Produktdesign einen echten Wertbeitrag für das Unternehmen leisten kann – und zwar auf den Euro genau. Design, so die beiden Autoren, soll nicht länger als reiner Kostenfaktor im Unternehmen betrachtet werden, sondern als „Investment und treibende Kraft für wirtschaftliches Wachstum und Wertschöpfung“. Anhand namhafter Beispiele wie LOEWE und natürlich Apple wurden exemplarisch die Designwerte berechnet und über einen längeren Zeitraum betrachtet. Alles durchaus einleuchtend und plausibel.

Am Ende stellten sich dann doch eine Reihe von Fragen: Ist der Erfolg tatsächlich nur von guten Produkten und ansprechendem Design abhängig? Welche Rolle spielt die Marke als Erfolgsfaktor und als Impulsgeber fürs Design?

Also, ist der Designwert nun „Kaffeesatzleserei“ oder die groß angekündigte „neue Strategie zur Unternehmensführung“? Hierauf mein entschiedenes „Weder noch!“. Der Designwert bringt eine längst allgemeingültige Erkenntnis auf den Punkt: Erst die Verschmelzung von hervorragenden Funktionen und gutem Design schafft die Voraussetzung für ein erfolgreiches Produkt. Was der Ansatz aber ausblendet ist, dass es für den Erfolg eines Dreiklangs aus Produkt, Marke und Kommunikation bedarf. Nebenbei bemerkt: Die Bewertung setzt die regelmäßige Teilnahme am red dot award und dem Abschneiden der eingereichten Produkte voraus, um überhaupt eine Berechnungsgrundlage zu schaffen. Klar, dass man eine belastbare Datengrundlage braucht, ein Rest „Geschmäckle“ bleibt trotzdem – auch wenn die Autoren für maximale Transparenz gesorgt und die gesamte Berechnung offengelegt haben.

Weitere Infos: www.red-dot-institute.de

Ausblick: Die beiden Autoren kündigten eine vergleichbare Analyse zum Thema Kommunikationsdesign an. Man darf also gespannt sein...

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